Kürzlich habe ich mich mit einer Frau über das Thema Abschied unterhalten.
Ich möchte Euch dazu etwas erzählen.
In meiner Ursprungsfamilie war es üblich, dass sich die Menschen besuchten, bevor sie auf eine Reise gingen.
Es war ein Wiedersehen und ein Abschied für eine im Grunde kurze Zeit und doch von Bedeutung, wenn ich heute zurück schaue in die Vergangenheit.
Einmal wussten Menschen nicht, ob sie sich wiedersehen und oft war es begleitet mit einem guten Wunsch, einem Winken bis das Auto um die Ecke bog.
Es glich einem Segen und der Blick zurück eine Verbindung mit einem oder mehreren Menschen, einem Ort, an dem wir gerne sind.
Der Blick zurück…
Manche Menschen gehen, ohne sich auch nur einmal umzudrehen, den Blick in den Spiegel, einen letzten Augenblick…
Ein Abschied für immer, vielleicht, die Augen nach vorne gerichtet.
In Wehmut, Groll, Dankbarkeit, Zuversicht….. Wir nehmen die Gefühle mit.
Einmal war es meine Großmutter, die am Fenster saß und ihr galt mein Blick. Heute ist es meine Mutter, die bei schönem Wetter aus dem Garten winkt.
Der friedvolle Abschied solch ein Segen ist. Und noch heute habe ich das Gefühl, einen Menschen auf diese Art gehen zu lassen.
Wir nehmen es beide mit.
Überhaupt einen Menschen würdevoll zu verabschieden…etwas, das wir von uns schenken, in diesem Augenblick.
Und dann gibt es diese Abschiede, bei denen wir zurück schauen oder nach vorne, mit dem tiefen Wunsch, einer Gewissheit, dass es ein Wiedersehen gibt.
Und etwas in uns weiß, dass eine Geschichte noch fortzuführen ist.
Weil es Abschiede geben kann oder auch gibt, fühlen wir umso mehr, wie kostbar und einzig jeder Moment des Miteinanders ist. Und das ist das Besondere daran.
Wie wertvoll, wenn alles, was uns verbindet, klar und fühlbar ist.
Und manche Abschiede werden geboren, damit wir uns eines Tages wiedersehen….ohne zu wissen, wann dieses „eines Tages“ ist.
Was bleibt, ist eine Verbindung, die jenseits aller Grenzen ist.
Isabelle


