Sonntagsgedanken vom 28.06.2015

Naturschauspiele oder der Mandarinenkater

Es ist Sonntag und das wunderbar warme Wetter lädt zum Frühstück auf der Terrasse ein.

Der Tag nahm seinen Lauf mit heftigem Gezeter einer unserer Katzendamen, die, wie sich herausstellte, einem männlichen Eindringling deutlich machen wollte, dass dies ihr Zuhause sei.

Weiter ging es mit Katerclinch in den Sträuchern am Gartenteich mit dem Resultat, dass einer von beiden für sich beschloss, den Rückzug anzutreten. Es war der „Mandarinenkater“, der seit kurzem Asyl auf unserer Terrasse sucht und bei genaueren Hinschauen deutlich gerupft aussah.

An sich hatte der Tag doch friedlich begonnen, was genau sollte oder wollte es mir sagen?

Mit einem Blick in den Garten wurde es mir klar: ich hatte um Einsicht gebeten, warum so mancher Strauch oder Pflanze unbedingt geschnitten werden sollte, wo ich doch im Normalfall alles gerne wachsen ließ.

Nun denn, vieles war ja auch in weiten Teilen des Gartens von Menschenhand angelegt worden und würde in der Natur mit Gewissheit in völlig anderer Kombination und Dichte aufgetreten sein.

Die „Erleuchtung „kam beim Frühstück. Wie in der Tierwelt auch, darf alles, was in Harmonie wächst, bleiben. Sobald eine Pflanze durch eine andere „unterdrückt“ oder in ihrem Lebensraum eingeschränkt wurde, sollte sie beschnitten – d.h. in ihre Grenzen gewiesen werden, sodass das Gleichgewicht wiederhergestellt wurde.
In weiten Teilen der 2. Gartenhälfte, die sich im wesentlichen selbst angelegt hat und mit einer wunderbaren Vielfalt an wilden Kräutern aufzuwarten weiß, funktioniert das ohnehin wie durch Zauberhand von selbst.

So war es bei den Katzen wohl auch: Alles, was zusammen passt, ohne das Andere einzuschränken, darf bleiben. Manchmal war es von Nöten, deutliche Grenzen aufzuzeigen und wenn man sich dann arrangieren konnte, sprich beide Seiten bereit waren, ab und zu zugeben, war ein gemeinsames Auskommen möglich.

Wie so oft lädt die Natur ein, sich ein Beispiel zu nehmen. In unserem Leben passt auch, wer unsere Kreise teilt, ohne sie zu zerstören. Dort, wo wir bereit sind, aufeinander zu zugehen, uns zu einigen, ist gemeinsames Leben möglich.
Werden wir allerdings in unserem So-sein-wie-wir-sind derart eingeschränkt, dass wir beginnen, uns selbst aufzugeben, sollte sich die innere Stimme unserer Selbstliebe zu Wort melden und uns darin unterstützen, dem Anderen Grenzen aufzuzeigen.
Nur, wer uns von ganzem Herzen und ohne Bedingung anzunehmen und lieben weiß, wird unsere Kreise auch weiterhin teilen und umgekehrt.

Dort, wo es zu erheblichen Dissonanzen kommt und wir bei uns selbst getan haben, was in unsere Macht steht, sollten wir den Mut haben, unsere Grenzen deutlich laut werden zu lassen.

Wir sollten loszulassen, damit , was bleiben soll, bleiben und was gehen soll, gehen kann im vollen Vertrauen, dass alles immer zum richtigen Zeitpunkt geschieht, manches nur von begrenzter Dauer sein mag und zu uns findet, was immer in Harmonie und Liebe mit uns, unseren Kreisen und unserer Entwicklung steht.

In Liebe und mit herzlichen Wünschen für Euren harmonischen Sonntag

Isabelle Hassan